
Die Landeselterninitiative für Bildung hat die Landesregierung aufgefordert, Bildung und Erziehung in den Vordergrund zu rücken, statt Versorgung und Betreuung.
Analyse
Im Saarland existieren nur vier Grundschulen, eine Gesamtschule und das Schengen-Lyzeum als echte Ganztagsschulen, bei 315 Schulen insgesamt. Obwohl das Land 50 Millionen Euro aus dem Investitionsprogramm der Bundesregierung „Zukunft, Bildung und Betreuung (IZBB)“ für einen Ausbau der Ganztagsschulen verfügbar hatte, ist keine einzige echte Ganztagsschule mehr entstanden, sondern wurde das Geld für Versorgung und Betreuung an Schulen verbraucht. Das Bildungsministerium nennt dies ‚Freiwillige Ganztagsschule’. Damit ist dem, was im Saarland geschieht, das falsche Etikett gegeben: Es fehlt die konzeptionelle Verzahnung von Vor- und Nachmittag, es mangelt an pädagogischem Fachpersonal, die gemeinsame Lernzeit ist nicht erhöht und der Unterricht nicht besser rhythmisiert Statt dessen müssen die Eltern im Wesentlichen die Kosten bezahlen, z.B. 60 Euro im Monat für ein Kind bis 16 bzw. 16:30 Uhr in der Nachmittagsbetreuung.
Ganztägig lernen
Die PISA-Untersuchungen haben dagegen klare Anhaltspunkte erbracht, dass ein flächendeckendes Angebot an echten Ganztagsschulen, das im Übrigen die meisten Länder in der EU und der OECD besitzen, zu höherem Leistungsniveau führt und eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass Kinder individuelle Leistungsunterschiede ausgleichen sowie ein schlechtes außerschulisches Lernumfeld überwinden können. Echte Ganztagsschulen sind deshalb auch ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit. In ihnen haben Lehrer mehr Zeit, sich um die individuelle Förderung der Kinder kümmern zu können.
Dabei geht es uns nicht um die bloße Ausdehnung des (heute geläufigen) Unterrichts von fünf auf acht Stunden, sondern um verändertes Lernen. Um die Wandelung der Schule als Anstalt konzentrierter Belehrung in eine Schule als geordneten Lebens- und Erfahrungsraum. Lernen kann dort zur „Vorfreude auf sich selbst werden“, ist besser rhythmisiert, die gemeinsame „Lernzeit“ wird höher.
Bund und Länder hatten 1999 das „Forum Bildung“ eingesetzt, um Qualität und Zukunftsfähigkeit des deutschen Bildungssystems sicherzustellen. Unter dem gemeinsamen Vorsitz der damaligen Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn und Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair haben Bildungs- und Wissenschaftsminister sowie Vertreter der Sozialpartner, Wissenschaft, Kirchen, Auszubildenden und Studierenden Empfehlungen zur Bildungsreform erarbeitet. Die Position des Forums Bildung:
„...Ganztagsschulen helfen, bessere zeitliche Bedingungen für eine individuelle Förderung aller Begabungen zu schaffen... Ganztagsangebote an allen Schulformen können unter methodischen, erzieherischen sowie zeitlich-organisatorischen Aspekten erheblich zur notwendigen Qualitätsverbesserung der schulischen Bildung beitragen, sowohl zur Vermeidung von Benachteiligungen wie für die Förderung von Begabungen. Voraussetzungen sind ein klares pädagogisches Konzept sowie eine entsprechende Qualifizierung der Lehrkräfte und der Schulleitung. Ganztagsschulen benötigen zusätzlich zu den Lehrenden kompetentes Personal u.a. zur Förderung der Kreativität, praktischer und sozialer Arbeit außerhalb von Unterricht. Ganztagsschulen sind darüber hinaus ein wichtiger Beitrag zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer.“
Ein Forschungsprojekt, das gemeinsam von Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) und des Institutes für Schulentwicklungsforschung an der Universität Dortmund (IFS) durchgeführt wird, geht zurzeit folgenden Fragen nach:
- Wie werden ganztagsschulische Bildungsangebote - ggf. gemeinsam mit außerschulischen Kooperationspartnern - konzipiert und implementiert ?
- In welchen Kooperationsformen und organisatorischen Netzwerken geschieht dies?
- Unter welchen Voraussetzungen (schulische Bedingungen, außerschulischer Kontext, familiäre Situation der Schülerinnen und Schüler) können sie am besten eingeführt werden und finden hohe Akzeptanz?
- Wie werden eine starke Partizipation erreicht und Schwierigkeiten überwunden?
- Welche Konsequenzen hat die neue Gestaltung von Schule schließlich für die Betroffenen selbst, aber auch für das soziale Umfeld der Schule?
Über das Forschungsprojekt infomiert eine eigene Internetseite: www.projekt-steg.de
Informationen unter www.ganztagsschulen.org des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie www.ganztaegig-lernen.org der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung gGmb