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Kleinere Klassen - Mehr Zeit und Raum

Analyse

Im Saarland sind die Klassen zu groß. Im Durchschnitt waren im Schuljahr 2007/08 mit 25,5 Schülern pro Klasse an den allgemein bildenden Schulen (Sekundarstufe I) die zweitgrößten Klassen aller Bundesländer gebildet. Das heißt, die Betreuungssituation und damit auch die Möglichkeit des individuellen Lernens und Förderns ist für die Schüler im Saarland durch eine unzureichende Personalausstattung der Schulen (Sekundarstufe I) bundesweit mit am schlechtesten.
Gymnasien: 27,7 Schüler je Klasse = 10. Platz unter den Bundesländern; Erweiterte Realschulen: 22,5 = zweitschlechtester Platz; Gesamtschulen 27,8 = zweitschlechtester Platz.
Bei den „erteilten Unterrichtstunden“ je Schüler liegt das Saarland bei den Grundschulen auf Platz 14 unter den Bundesländern, bei den Gesamtschulen auf Platz 13 von 15; bei den Gymnasien auf Platz 13 und den Erweiterten Realschulen auf dem zweitletzten Platz.

(Nachweis: Statistisches Bundesamt „Bildung und Kultur“ Schuljahr 2007/08, Fachserie 11, Reihe 1, Tabellen 1.1.1, 2.3 und 3.3; erschienen Oktober 2008)

An beruflichen Vollzeitschulen kommen auf einen Lehrer rechnerisch rund 20,2 Schüler, der schlechteste Wert in Deutschland (Bundesdurchschnitt: 11,3).

(Nachweis: Statistisches Bundesamt „Bildung und Kultur“ Schuljahr 2007/08, Fachserie 11, Reihe 2, Tabelle 2a; erschienen Oktober 2008)

Durch die Schließung der Grundschulen hat der Anteil der Klassen mit 21 bis 25 Schülern um 36,6 % zugenommen (von 713 bei insges. 2016 auf 791 bei insges. 1637), der Anteil der Klassen mit 26 und mehr Schülern hat sich mit einer Zunahme von 128,2 % mehr als verdoppelt (von 109 bei insges. 2 016 auf 200 bei insges. 1637).

(Nachweis: Statisches Amt Saarland, Sonderheft Allgemein bildende Schulen 2007/08, Tabelle 1.5)

73,1 % der Klassen an Gymnasien im Saarland (Sekundarstufe I) haben 26 und weit mehr Schüler. Trotzdem, dass das Saarland mit die größten Gymnasiumsklassen aller Bundesländer hat, plant das Bildungsministerium, in den Schuljahren 2007/08 bis 2013/14 zusammen 115  Gymnasiallehrer weniger einzustellen als in Ruhestand gehen.

(Nachweis: Statistisches Bundesamt „Bildung und Kultur“ Schuljahr 2007/08, Fachserie 11, Reihe 1, Tabellen 2.3 und 3.3; erschienen Oktober 2008; Statisches Amt Saarland, Sonderheft Allgemein bildende Schulen 2007/08, Tabelle 7.3; Mitteilung Bildungsministerium an GEW vom Oktober 2006)

 

Schule ist während der letzten Jahre schwieriger geworden. Unordnung und Unzufriedenheit haben zugenommen, Merkfähigkeit und Konzentration nachgelassen. Das Leben im Informationszeitalter ist anstrengender geworden. Wissensinhalte auszuwählen, zu sortieren, aufzunehmen und zu verarbeiten, erfordert Zeit und Geistesanstrengung. Pädagogisch fragwürdige Medieninhalte, eine Vielfalt von Reizen, die permanent auf sie eindringen, wirken sinnlich belastend auf Kinder und Jugendliche. In großen Lerngruppen verdichten sich die Probleme und sind dauerhafte Störungen virulent.

Unser Ziel: Kleinere Klassen im Saarland!

Im Saarland müssen wir die zurückgehenden Schülerzahlen dazu nutzen, sowohl an den Grundschulen als auch an den weiterführenden Schulen  kleinere Klassen einzurichten. In kleinen Klassen entwickelt sich ein besseres Sozial-, Arbeits- und Lernklima; es bestehen mehr Raum und Zeit für persönliche Entfaltung und persönliches Engagement - sowohl für Schüler als auch für Lehrer. In kleineren Klassen werden Lerndefizite und individuelle Probleme von Schülern rascher und klarer erkannt, sie können umfassender und gründlicher aufgearbeitet werden. Der Unterricht gewinnt an Intensität und Qualität. Lehrer werden deutlich entlastet. Sie können mehr zum beratenden und fördernden Begleiter werden, können ihn individualisierender gestalten. Elemente, die eine gute Schule ausmachen, können stärker zum Tragen kommen, z.B. innere Differenzierung durch differenzierteres Unterrichtsmaterial, z.B. eine Klassenführung, die auf eine Erhöhung der aktiven Lernzeit ausgerichtet ist.

Dokumente zum Download

Empirische Studien zur Bedeutung der Klassengröße für Schulleistungen (Zusammenfassung)

Dr. Fritz Haselbeck, Universität Passau, Aspekte der Klassengröße im Urteil von Hauptschullehrerinnen und Hauptschullehrern, Eine empirisch qualitative Untersuchung, 2005

Dr. Grit im Brahm, Ruhr-Universität Bochum;  Kleine Klassen - große Klasse? Eine empirische Studie zur Bedeutung der Klassengröße für Schule und Unterricht, 2005

Kleine Klassen, Große Klasse; Argumente der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für einen sachlichen Umgang mit einer umstrittenen FrageQualität von Unterricht und Schulleben in (kleinen) Grundschulen;  Ergebnisse eines Modellversuchs.