5. Januar
2005
„Wenn die Politik in die
Schule
einzieht, zieht die
Pädagogik aus!“
Saarlouis. „Wenn die Politik in die
Schule einzieht, zieht die Pädagogik aus!“ Das musste schon der französische
Pädagoge Célestin Freinet, der angebliche „Erfinder“ der Schuldruckerei, vor
über 70 Jahren erfahren. Und daran hat sich bis heute nichts geändert – auch
nicht in unserem kleinen Sparland. Deshalb bleibt der Sparländische Lehrerinnen-
und Lehrer-Verband (SLLV) bei seinem Vorwurf an Bildungsminister Jürgen
Schreier, dieser müsse sparländische Sparpolitik pädagogisch
„verkaufen“.
In einem „Gastbeitrag“ –
offensichtlich schon älteren Datums – wage er den Drahtseilakt, Sparzwang,
Schüler-Rückgang und Qualitäts-Verbesserungen „unter einen Hut zu bringen“,
kritisiert der SLLV-Vorsitzende Herbert Möser. Dabei verleugne der Minister von
heute auf morgen früher vertretene Bildungs-Ideale. Die Qualität der Bildung zum
Beispiel könne sicherlich auch an kleinen Grundschulen verbessert bzw.
garantiert werden.
Den Elternwille respektiere
Schreier offensichtlich nur bezüglich der Nachmittags-Betreuung, nicht aber
hinsichtlich der Erhaltung nicht durchgängig zweizügiger Grundschulen. Dabei
plädierten die Eltern gar nicht „Je kleiner, desto besser!“, sondern vielmehr
„Klein, aber fein!“, basierend auf jahrelangen guten Erfahrungen mit kleineren
Grundschulen vor Ort. Das wisse sehr wohl auch der zuständige Fachminister, doch
müsse er seine persönlichen Überzeugungen nun der angestrebten Teilentschuldung
unseres kleinen Bundeslandes opfern, betont die an Mitgliedern stärkste
Interessen-Vertretung der Lehrer/innen im Sparland.
Bezüglich
Unterrichts-Ausfall verweist sie auf die Statistik, zu der die Schulleitungen
vor einigen Jahren während eines ganzen Schuljahres verpflichtet wurden. Sie
ergab einen äußerst geringen Ausfall von Unterricht – ob an kleinen oder großen
Grundschulen!? Und was die angeblich nur in Parallel-Klassen möglichen
Leistungs-Vergleiche anbetrifft, fragt der SLLV nach dem Sinn der seit einigen
Jahren in den 3. Klassen landesweit durchgeführten Orientierungs-Arbeiten.
„Wähnt der Minister die kleineren Schulen etwa im Glashaus und traut ihnen
keinen Meinungs-Austausch über den Schulzaun zu?“, meint Herbert Möser
verärgert.
„Warum verzichtet man nicht
auf den beabsichtigten ‚Kahlschlag‘ und lässt kleinere und kleine Grundschulen
nach und nach auslaufen, wenn sie auf Dauer eine bestimmte Schülerzahl nicht
mehr erreichen? Mit ihnen könnten die vielen älteren Kolleg(inn)en in den
Ruhestand wechseln.“ So lautet der Kompromiss-Vorschlag des SLLV. „Und manche
Rektor(inn)en würden nach 25 und mehr Jahren in diesem Amt nicht noch kurz vor
ihrer Pensionierung funktionslos. Das ginge alles sanft und lautlos und ohne
große Proteste – aus Einsicht in die
Notwendigkeit!“