
In einer Krise unserer Gesellschaft durch Globalisierung, Individualisierung und Medialisierung ist unsere tief in der europäischen Geschichte verwurzelte Region durch die aktuellen sozialen und ökonomischen Tiefenströmungen sowie den Strukturwandel besonders gefährdet. In dem Maß wird unsere Region Zukunft haben, wie es gelingt, die Bildung von Kindern und Jugendlichen weiterzuentwickeln und Orte zu kultivieren, an denen Wissen, Kompetenzen und Ideen gedeihen. Kinder und Jugendliche sollen Eigeninitiative, Unternehmensgeist, Teilhabe und Mitverantwortung sowie eine demokratische Kultur des Zusammenlebens erlernen und erleben. Ihre Bildung muss - vielleicht stärker als anderswo - Identität stiften, Mentalität modernisieren sowie Kompetenz und Selbstbewusstsein schaffen.
• Wir brauchen Schulen, in denen Kinder und Jugendliche alle wichtigen Bildungserfahrungen machen, alle ihre Fähigkeiten und Begabungen entwickeln können.
• Wir brauchen Schulen, in denen Kinder und Jugendliche erfahren, dass ihr Lernen hilfreich begleitet, ihre Arbeit wertgeschätzt, ihre Leistung gesehen und gewürdigt wird.
• Wir brauchen Schulen, die an sich selbst hohe Anforderungen stellen, sich an den eigenen Maßstäben orientieren und an ihnen ihre Arbeit selbstkritisch prüfen.
• Wir brauchen Schulen, in denen Kinder lernen, mit Unterschieden zu leben, und in denen sie so angenommen werden, wie sie sind, ohne beschämt oder für ihr Anderssein „bestraft“ zu werden.
• Wir brauchen Schulen, in denen die – nach wie vor riesige – Ungleichheit der Bildungschancen so weit wie möglich abgebaut wird.
• Wir brauchen Schulen, in denen die Möglichkeiten eines guten Zusammenlebens von Erwachsenen und Heranwachsenden institutionell gesichert sind.
• Denn wir wollen, dass unsere Kinder zu lebenszuversichtlichen, verantwortlichen, politikfähigen Bürgerinnen und Bürgern unseres demokratischen Gemeinwesens heranwachsen.
An vielen Schulen tut sich im Alltäglichen oder auch in mutigen Unternehmungen viel mehr als die Öffentlichkeit weiß. Es gelingt ihnen bei allen Schwierigkeiten und aller Unterschiedlichkeit ihrer Rahmenbedingungen, die anerkannten Bedingungen hoher Leistung herzustellen: Rücksicht auf die Vielfalt der Potenziale, Individualität des Lernens und Selbstverantwortung der jungen sich bildenden Menschen. Diese Schulen schaffen es, Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen für Leistung und Kreativität zu begeistern, ihre Lernfreude und ihren Lebensmut zu stärken und sie zu Fairness und Verantwortung zu erziehen.
Um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen und sie anzuerkennen, und auch, damit diese Schulen für andere wirksam werden können und sie beflügeln, es ihnen gleich zu tun, darum loben wir, die Stiftung Demokratie Saarland und die Landeselterninitiative für Bildung, in Kooperation mit der Gesamtlandesschülervertretung, der Gesamtlandeselternvertretung und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien seit dem Schuljahr 2007/2008 (inzwischen alle zwei Jahre) den Saarländischen Schulpreis aus, orientiert an der Idee des Deutschen Schulpreises der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung. Die Bewerbung um den Preis lohnt sich für jede Schule als wichtiger Schritt der Selbstevaluation. Wir freuen uns sehr, dass Herr Minister für Bildung und Kultur Ulrich Commerçon die Schirmherrschaft über den Preis übernommen hat.
Jede Schule hat ihre lebendige Gestalt. Es geht beim Saarländischen Schulpreis nicht darum, einen einheitlichen Maßstab anzulegen oder die richtige Schule zu finden, sondern es sollen Schulen anerkannt und ermutigt werden, die ihre Entwicklung vorangebracht haben. Schulen, die mit dem in den Qualitätskriterien skizzierten Leitbild verwandt sind. Es ist nicht notwendig, dass eine Schule in allen Qualitätsbereichen herausragend ist. Es sind auch nicht nur aktuelle Ergebnisse entscheidend. Der Weg, die Hürden, die eine Schule überwunden und die Unterstützung, die sie erfahren hat, sowie der Ausblick auf ihre weitere Entwicklung und die Ideen, wie auch andere Schulen von dieser Erfahrung profitieren können, sind ebenfalls von Bedeutung.
Der Saarländische Schulpreis setzt auf die Vorbildwirkung erfolgreicher Praxisbeispiele und die Innovationsbereitschaft der Schulen. Der Preis würdigt beides, den Weg und die Ziele besonders guter Schulen. Nicht der einmal erreichte Stand ist ausschlaggebend. Einbezogen wird die gesamte Entwicklung einer Schule: ihr eigener Weg, die besonderen Voraussetzungen, Chancen und Schwierigkeiten und ebenso die weitere Entwicklungsplanung. Entscheidend ist deshalb nicht, ob eine Schule schon als herausragend in der Bildungslandschaft bekannt ist. Angesprochen werden vielmehr gerade auch solche Schulen, die sich noch am Anfang eines Weges sehen und sich dabei durch besonderes Engagement, innovative Methoden und qualitätswirksame Entwicklungsschritte auszeichnen.
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